22. April 2021

ZUSAMMENGEHÖRIGKET FÖRDERN: UPDATE AUS DER KALAHARI

ZUSAMMENGEHÖRIGKET FÖRDERN: UPDATE AUS DER KALAHARI

!Aice, einer der Schuster, läuft in n!ang n|osi Elandantilopen-Sandalen. Nyae Nyae, Namibia, 2018. © Thomas Nolf

In der Kalahari-Wüste in Namibia produzieren die Ju'/hoansi San wieder die Jagdsandalen, die schon ihre Vorfahren trugen. 

Die Sandalen werden aus ethisch hochwertiger Elandhaut (der größten Antilope Afrikas) hergestellt und sind sowohl für den täglichen Gebrauch als auch für die sterbende Kunst der Persistenzjagd konzipiert: Bekannt für ihre Verfolgungstechnik und Ausdauer, folgen sie dem Tier, bis es vor Hitzeerschöpfung zusammenbricht.

Im Jahr 2016 haben wir eine Kickstarter-Kampagne gestartet, um einen Schuhmach-Workshop mit den Ju'/hoansi San-Leuten einzurichten. Seitdem arbeiten wir mit ihnen und der Future Footwear Foundation (FFF) zusammen, um die Sandalenproduktion als Mittel kulturellen Ausdrucks sowie für die Weiterbildung, Beschäftigung und die Herstellung langlebiger Schuhe zu erhalten.

Die Future Footwear Foundation ist seit fünf Jahren Partner von Vivo Impact. Übergeordnetes Ziel ist es, umwelt- und körperverträgliche Schuhe zu entwickeln, indem ein (zumeist virtuelles) Future-Footwear-Center eingerichtet wird, das als interdisziplinärer Knotenpunkt für die Interaktion zwischen Handwerkern, Wissenschaftlern und Unternehmen dient. 2018 feierten wir den Launch von Barefoot Cobblers, einem Buch von FFF, das einen Meilenstein in der Biomechanik und anthropologischen Designforschung markiert. 

Bildrechte: David Willems @davidwillemsphoto 

Trotz dieser Arbeit benötigen die Ju'/hoansi San eine neue Einrichtung. Seit ihr letzter Arbeitsplatz 2017 niedergebrannt ist, arbeiten die Schuhmacher im Schatten von Bäumen und lagern Leder und fertige Produkte in einem provisorischen Unterstand, der aus Restmaterial und Holz gebaut wurde. 

In der Zwischenzeit wurde in Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, der FFF und dem belgischen Architekten Bruno Spaas ein Entwurf für einen idealen neuen Arbeitsplatz entwickelt. Er umfasst einen kleinen, dunklen Lagerraum, einen größeren Arbeitsraum und einen schattigen Bereich für die Arbeit im Freien, wie sie bei den örtlichen Schustern beliebt ist. 

Aber ein Mangel an Finanzmitteln stoppte den Bau. 

In der Hälfte des Jahres 2020 wurde die Sandalenproduktion aufgrund der Pandemie eingestellt. Dies war der perfekte Zeitpunkt, um den geplanten Bau zu errichten. 

Um das Gebäude so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten, entschied sich die Gemeinde für eine Erdsackarchitektur: eine Technik, die lokale Böden verwendet, um schnell stabile Strukturen aus in der Umwelt verfügbaren Ressourcen zu bauen.

Der lehmhaltige Boden im örtlichen Omuramba (ein ausgetrockenes Flussbett) würde in Kombination mit dem Kalahari-Sand eine dauerhafte Mischung ergeben, mit der Polypropylen-Säcke als Bausteine für starke Wände mit thermischer Masse gefüllt werden können. 

Bildrechte: David Willems @davidwillemsphoto 

Das ursprüngliche Design von Bruno Spaas wurde an Nina Maritz weitergegeben – eine preisgekrönte namibische Architektin, die sich auf nachhaltige und volkstümliche Architektur spezialisiert hat (die sich durch die Verwendung lokaler Materialien und Wissen auszeichnet). Nina Maritz entwarf die Gebäudedetails: eine eiserne Scheunenkonstruktion zur Überdachung des achtzehn Meter langen Arbeitsraums, der mit 70 cm dicken Erdsäcken ummauert ist. 

Ein Team hat Bodenuntersuchungen durchgeführt, indem es entlang der Omuramba gegraben hat, um den am besten zugänglichen Ton zu bestimmen. Ein Team hat Bodenuntersuchungen entlang der Omuramba durchgeführt, um den am besten zugänglichen Ton zu bestimmen. Eine Gruppe von sieben ortsansässigen Schuhmachern machte sich dann an die Arbeit und stellte perfekte Erdsackziegel her, um ihren neuen Arbeitsbereich zu unterteilen. 

Mit den logistischen und technischen Fähigkeiten von David Willems wuchs das Gebäude täglich um vierzehn Zentimeter. Bis Ende März hatten die Schuster drei Meter hohe Erdsackwände geschichtet. Oben wurden kleine Fenster eingebaut, um möglichst wenig Licht hereinzulassen.. 

Bildrechte: David Willems @davidwillemsphoto 

Mit Spenden einer Reihe von Institutionen konnte die Future Footwear Foundation dann das Stahlrahmendach und das erste Lagergebäude finanzieren. Diese wurden im Januar 2021 von einem lokalen Auftragnehmer installiert. 

Zum Abschluss wurde das Gebäude mit lokalem Termiten-Ton verputzt, der aufgrund seines hohen Tongehalts und seiner natürlichen Leimkomponente die beste Option darstellt. 

Der neue Arbeitsbereich ist ein Beweis für die lokale Umgebung und den Einfallsreichtum der Ju'/hoansi San Schuster. Die Werkstatt bietet ihnen einen Raum, wo sie ihr angestammtes Wissen nachhaltig anwenden können, um die ursprünglichen Barfußschuhe herzustellen. 

 

Bildrechte: Thomas Nolf

Bilder aus dem Buch: Willst du deine Füße zurück? Barefoot Cobblers

Els Roelandt & Catherine Willems (Hg.)