2. November 2023

Die unbekannte Wahrheit zum Thema Wanderschuhe

Die unbekannte Wahrheit zum Thema Wanderschuhe

Allgemein gilt: Richtiges Wanderschuhwerk ist gepolstert, fest und wasserdicht und verfügt über einen guten Knöchelschutz und dicke Sohlen. Unwegsames Outdoor-Gelände erfordert taugliches Schuhwerk. Aber was ist, wenn unsere Definition von „tauglich“ auf Fehlinformationen beruht? Der Erlebnisansatz von enthusiastischen Outdoor-Abenteurern, der in der Vergangenheit weniger auf eine harmonische Naturverbindung als auf die Bezwingung ihrer Herausforderungen ausgerichtet war, hat sich gewandelt und weiterentwickelt und dies gilt auch für Wanderschuhe. Es ist jetzt an der Zeit, mit einigen Mythen aufzuräumen.

MYTHOS 1: RICHTIGES WANDERSCHUHWERK IST GEPOLSTERT 

MYTHOS 1: RICHTIGES WANDERSCHUHWERK IST GEPOLSTERT 

Wir sind uns alle darin einig, dass gutes Wanderschuhwerk schützend und strapazierfähig ist. Niemand mag ramponierte Füße oder durchlöcherte Schuhe. 
 
Aber dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie gepolstert sein müssen. Der Mensch hat sich als Barfüßer entwickelt und dies hat uns starke Füße und robuste Sohlen beschert. Abgesehen von der Notwendigkeit, scharfe Dornen abzublocken und den Kontakt mit Felsen und Steinen abzudämpfen, brauchen wir nicht sehr viel mehr Schutz. Tatsächlich werden strapazierfähige Materialien – wie das von uns verwendete Wild-Hide-Leder – immer leichter und dünner. 
 
Die Polsterung bringt auch ein schwerwiegendes Problem mit sich: nämlich das Gewicht. Das Gewicht, das deine Schuhe beim Wandern auf deine Füße ausüben, ist unverhältnismäßig belastend. 

Als Faustregel gilt: Ein Pfund Gewicht an den Füßen entspricht fünf Pfund Gewicht am Rücken 

MYTHOS ZWEI: RICHTIGE WANDERSCHUHE SIND FEST 

MYTHOS ZWEI: RICHTIGE WANDERSCHUHE SIND FEST

 

Viele Outdoor-Schuhe sind steif. Das ist toll zum Skifahren oder für hochalpines Bergsteigen, aber es tut den Füßen weh und verringert die Empfindungen in anderen Körperbereichen. Obwohl der Begriff „fest“ für stark, strapazierfähig und schützend steht, kann dieser bei Wanderschuhen irreführend sein. 
 
Strapazierfähige Materialien halten Stößen stand, sind leistungsfähig und nutzen sich nur langsam ab. Die Strapazierfähigkeit hängt von vielen Materialeigenschaften und auch der Pflege ab – viel mehr als von der Festigkeit. Ein typischer Ledergürtel ist ein gutes Beispiel dafür: er ist überaus flexibel, aber zäh wie ... alte Stiefel. 
 
Unflexible Schuhe müssen außerdem erst „eingelaufen“ werden; dies klingt wie ein Euphemismus für „verursacht Blasen, Unwohlsein, Belastung und ruiniert deine Füße“. Warum entscheidest du dich nicht einfach für Schuhe, die sich von Anfang an für deine Zwecke eignen? 
 
Noch wichtiger ist, dass starres Material die Geschicklichkeit, die Bewegungsfähigkeit und die Fußstärke verringert. Dies beeinträchtigt die Gesamtstabilität, auch wenn sich die Schuhe selbst stabiler anfühlen. Das Ergebnis? Weniger Verbundenheit mit der Naturumgebung und eine höhere Verletzungsgefahr. Wir wollten bei unserem Schuhdesign jedoch den Aspekt des Schutzes nicht vernachlässigen und daher sind die Outdoor Vivos so flexibel, dass du sie zu einem Ball zusammenknautschen kannst. 
 
Und keine Sorge: In alpinem Gelände kannst du durchaus Barfuß-Wanderschuhe tragen. Diese bieten deinen Füßen selbst dann noch ausreichend Platz, wenn sie beim Bergwandern anschwellen sollten – dies kann bei körperlicher Anstrengung in Höhenlagen durchaus vorkommen. Kein Spaß in engen, steifen Schuhen!

 

MYTHOS DREI: RICHTIGE WANDERSCHUHE SIND WASSERDICHT 

MYTHOS DREI: RICHTIGE WANDERSCHUHE SIND WASSERDICHT

So sicher wie die Sonne im Osten aufgeht, sind nasse Füße einfach grauenhaft. Daher sind wasserdichte Wanderschuhe möglicherweise keine gute Idee. 

 
Ja, das klingt zunächst absurd. Aber die Sache ist die ... 
 
Viele Wanderer, die wasserdichte Schuhe tragen, wundern sich nach einiger Zeit über ihre unangenehm feuchten Füße. Die wahrscheinlichste Erklärung liegt nicht im Versagen der Membranen begründet. Wasserdichte Schuhe sind weniger atmungsaktiv, wodurch deine Füße mehr schwitzen und der Schweiß (und anderes unerwünschtes Wasser) schwerer verdunsten kann. Mit anderen Worten: wasserdichte Schuhe bescheren nasse Füße – und dies auf lange Sicht, denn nicht atmungsaktive Schuhe brauchen länger, um zu trocknen. 
 
Außerdem bedeutet wasserdicht nicht wirklich wasserdicht. Wasser kann normalerweise in die Oberseite deiner Schuhe eindringen, und die Wasserdichtigkeit lässt mit der Zeit nach. Wahrscheinlich wird irgendwann etwas Wasser in das Schuhinnere gelangen. 
 
Nasse Füße sind nicht nur unangenehm. Sie sind zudem auch schwerer und bieten hervorragende Bedingungen für Blasen, Pilzinfektionen und weitere Hauterkrankungen, die sich festsetzen können. 
 
Dies erklärt, weshalb der Tracker Forest ESC – unser Expeditions-Wanderstiefel, der gemeinsam mit Survival-Experten entwickelt wurde, um in den unwegsamsten Regionen der Erde zu bestehen – nicht wasserdicht ist. Mit der richtigen Behandlung ist er nicht nur hoch wasserabweisend, sondern auch hoch atmungsaktiv und sorgt für ein effizientes Feuchtigkeitsmanagement bei körperlich herausfordernden, mitreißenden Abenteuern. 
 
Versteh uns nicht falsch: Wasserdichte Schuhe haben durchaus ihre Berechtigung. Wir stellen sie her, wir mögen sie, wir tragen sie – vor allem bei Schnee, wo Wasser Erfrierungen bedeuten kann (sieh dir den Tracker Winter an), oder bei nassen Tageswanderungen, bei denen dich das Trocknen deiner Schuhe vor keine großen Probleme stellt (entdecke den Tracker FG oder seinen tierfreien Cousin, den Tracker Textile). Richtige Wanderschuhe haben auch als wasserdichte Modelle durchaus ihre Berechtigung, aber es kommt auf den Kontext an.

 

MYTHOS VIER: RICHTIGES WANDERSCHUHWERK HAT EINEN KNÖCHELSCHUTZ 

MYTHOS VIER: RICHTIGES WANDERSCHUHWERK HAT EINEN KNÖCHELSCHUTZ

Gibt es einen Begriff, der mehr mit Wanderschuhen assoziiert wird als „Knöchelschutz“? 

 

Der Schutz vor Knöchelverletzungen steht für viele Wanderer verständlicherweise ganz oben auf der Prioritätenliste. Aber es gibt keine eindeutigen Daten, die nachweisen, dass ein integrierter Knöchelschutz tatsächlich hilft. 
 
Das Problem mit hohen steifen Stiefeln besteht darin, dass sie durch die Immobilisierung der Knöchel diese schwächen und geschickte Bewegungen hemmen – und somit zwei ausgezeichnete Maßnahmen zur Verletzungsprävention rückgängig machen. Knöchelstütze fügt außerdem Gewicht und Steifigkeit hinzu.
 
Den meisten Wanderern empfehlen wir, starke Fußgelenke zu trainieren, da sich diese Form des Schutzes als sicherer und bewegungsfreier erweist. Bei Vivo-Wanderschuhen liegt der Fokus daher mehr auf Flexibilität und Beweglichkeit als auf Knöchelschutz und deshalb eignen sich unsere Trail-„Laufschuhe“ auch hervorragend zum Wandern. Das ist auch der Grund, weshalb wir den VivoHealth Online-Kurs für Füße und Gelenke entwickelt haben, der dir in nur zwölf Wochen zu starken Fußgelenken verhilft. 
 
Aber auch hier liegt es uns fern, zu behaupten, dass ein Knöchelschutz immer von Nachteil ist! Höhere Stiefel bieten zusätzlichen Schutz vor Steinen und Geröll, und die zusätzliche Stabilität kann hilfreich sein, wenn du Probleme mit dem Knöchel hast. Aber auch in diesem Fall empfehlen wir dir, deine Knöchel präventiv zu stärken – für das Wandern und den Alltag.

MYTHOS FÜNF: RICHTIGE WANDERSCHUHE HABEN DICKE SOHLEN 

MYTHOS FÜNF: RICHTIGE WANDERSCHUHE HABEN DICKE SOHLEN

 

Wenn du nicht gerade durch ein 1.000 Meilen langes Nagelbett wanderst, brauchen deine Sohlen weniger Schutz, als du denkst. Denke daran, dass wir uns entwickelt haben, um im wahrsten Sinne des Wortes barfuß zu laufen! 
 
Es ist aber durchaus zutreffend, dass dünne Sohlen deine Füße und Fußsohlen anfangs mehr als sonst schmerzen lassen können. Ein langsamer, vorsichtiger Übergang und eine gute Konditionierung sind wichtig – und dafür bietet dir der Barfuß-Grundlagenkurs von VivoHealth eine perfekte Unterstützung. 
 
Längerfristig verursachen dickere Sohlen jedoch Probleme. Sie beeinträchtigen das Bodengefühl und die Propriozeption und erschweren damit eine rasche Anpassung und die Verbindung mit der Naturumgebung. Zudem erhöhen sie deinen Körperschwerpunkt. 
 
Das erhöht das Risiko des Umknickens und die damit verbundene Schwere der Verletzungen. Dicke Sohlen bedeuten auch mehr Fersenauftritt, was die Belastung für deine Knie und deinen Oberkörper erhöhen kann. 

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Welches Wanderschuhwerk am besten zu dir passt, hängt von deinem Körper, deinen Zielen und der Umgebung ab, in der du wandern möchtest. Hierbei ist es jedoch wichtig, über den traditionellen Rahmen von gepolsterten, steifen und wasserdichten Wanderschuhen mit Knöchelschutz und dicken Sohlen hinauszudenken. Leichtere, flexiblere, wasserabweisende Wanderschuhe mit dünnen Sohlen und Spielraum für deine Knöchel vereinen möglicherweise genau jene Funktionalitäten, die du benötigst – mit einer intensiveren Verbindung zur Natur als Zugabe.